Montaigne
Versuche der Selbstauflösung
120 Seiten. 13,5x21. brosch.
Euro 15,90
März 2010
978-3-902665-16-4
Euro 15,90
März 2010
978-3-902665-16-4
„Jede Veränderung erleichtert, löst und zerstreut. Wenn ich aber den Gedanken nicht niederzukämpfen vermag, entwische ich ihm, und auf der Flucht schlage ich Haken und überliste ihn, indem ich Ort, Tätigkeit und Gesell- schaft wechsle. Ich rette mich ins Gewühl andrer Beschäf- tigungen und Gedanken, wo er meine Spur verliert und mich nicht mehr finden kann.“ (Montaigne, Über die Ablenkung. Übers. Hans Stilett)
„Die besondere Leistung Montaignes besteht darin, sich in Versuchen aufzulösen, in denen von ihm selbst die Rede ist, in denen die Selbstdarstellung als Vorwand dient, die Nichtigkeit jener Einbildungen hervorzukeh- ren, die die Menschen dazu bringen, sich mit ihren Funktionen (auch der des Autors) zu verwechseln.“ (Benedikt Ledebur)
Die Lektüre der „Essais“ ist „ansteckend“: „kaum habe ich einen Blick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder ein Flügel gewachsen“, zitierte Nietzsche als bekennen- der Leser Montaigne (mit Plutarch). Mehr als 400 Jahre nach Montaignes Tod und 100 Jahre nach Nietzsche beflügelt der Schöpfer der „Essais“ ebenso sehr die Reflektion über den Umgang mit Quellen, mit Zitaten, Textverarbeitungsprozessen, fremden und eigenen Gedankengängen wie den modernen Entwurf (samt der Infragestellung) der Autorschaft schlechthin. Benedikt Ledebur liest und kommentiert Montaignes Texte gerade auch im Kontext der großen Montaigne-Interpreten der vergangenen Jahrzehnte: Peter Burke, Hugo Friedrich, Max Horkheimer, Claude Lévi-Strauss, Jean Starobinski ... Montaigne wünschte sich „gewitzte Leser“, Zeugen- schaft einer Literatur, die sich über den Kommentar, über sich selbst hinaus erhebt. Ledebur folgt der Fährte, die Montaigne in der Aporie aus Platons Menon legte: der Frage, wie man suchen könne, was man nicht kennt – angesichts der ständigen Veränderung, zu der wir in einer unübersichtlichen Welt gezwungen sind:
„Montaigne will sich seiner Vergänglichkeit ständig bewußt sein. Die Charakterzüge seines Schreibens treten mit der Zeit nicht nur wie die Falten im Gesicht stärker hervor, sie manifestieren sich ihm vielmehr im Moment des Schreibens, indem sie mit ihm zusammenfallen, machen ihm das, was er tut, verfügbar als jene Beweg- lichkeit, die dem lebendigen, seit dem Tod des besten Freundes zur Traurigkeit neigenden Gemüt am besten entspricht...“ (B. L.)
„Die besondere Leistung Montaignes besteht darin, sich in Versuchen aufzulösen, in denen von ihm selbst die Rede ist, in denen die Selbstdarstellung als Vorwand dient, die Nichtigkeit jener Einbildungen hervorzukeh- ren, die die Menschen dazu bringen, sich mit ihren Funktionen (auch der des Autors) zu verwechseln.“ (Benedikt Ledebur)
Die Lektüre der „Essais“ ist „ansteckend“: „kaum habe ich einen Blick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder ein Flügel gewachsen“, zitierte Nietzsche als bekennen- der Leser Montaigne (mit Plutarch). Mehr als 400 Jahre nach Montaignes Tod und 100 Jahre nach Nietzsche beflügelt der Schöpfer der „Essais“ ebenso sehr die Reflektion über den Umgang mit Quellen, mit Zitaten, Textverarbeitungsprozessen, fremden und eigenen Gedankengängen wie den modernen Entwurf (samt der Infragestellung) der Autorschaft schlechthin. Benedikt Ledebur liest und kommentiert Montaignes Texte gerade auch im Kontext der großen Montaigne-Interpreten der vergangenen Jahrzehnte: Peter Burke, Hugo Friedrich, Max Horkheimer, Claude Lévi-Strauss, Jean Starobinski ... Montaigne wünschte sich „gewitzte Leser“, Zeugen- schaft einer Literatur, die sich über den Kommentar, über sich selbst hinaus erhebt. Ledebur folgt der Fährte, die Montaigne in der Aporie aus Platons Menon legte: der Frage, wie man suchen könne, was man nicht kennt – angesichts der ständigen Veränderung, zu der wir in einer unübersichtlichen Welt gezwungen sind:
„Montaigne will sich seiner Vergänglichkeit ständig bewußt sein. Die Charakterzüge seines Schreibens treten mit der Zeit nicht nur wie die Falten im Gesicht stärker hervor, sie manifestieren sich ihm vielmehr im Moment des Schreibens, indem sie mit ihm zusammenfallen, machen ihm das, was er tut, verfügbar als jene Beweg- lichkeit, die dem lebendigen, seit dem Tod des besten Freundes zur Traurigkeit neigenden Gemüt am besten entspricht...“ (B. L.)
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