Held. Lady. Mops
Improvisation
120 S., 12,5x19 brosch.
Euro 15,90
März 2010
ISBN 978-3-902665-19-5
Euro 15,90
März 2010
ISBN 978-3-902665-19-5
Slatin, Rudolf Slatin mein Name. Böhmisch, für Goldfeder. ... und ihr versonnenes Lächeln. Folgt das Übliche: der Name prädestiniere einen zum Dichter. Oder – Lachen – zum Ornithologen, jedenfalls nicht zum Handelsschüler, dochdoch, ihr Mann, der Meerestier- forscher, Nominator von Flossenträgern, könne nach mir was Flinkes benennen, Wässriges, Kaltes, mit Kiemen- atmung (Phantasie hat sie) ... Flossen aus Gaze und Sonnenglast? Schwebt durch die tiefsten Untiefen, blink ... (Blink? Hier zwinkert was nach).
Rudolf Slatin alias Slatin Pascha, 1857 geboren, war ein altösterreichischer Abenteurer böhmisch-jüdischer Herkunft, bereits mit 24 Jahren britischer Gouverneur der sudanesischen Provinz Darfur; bald danach in den Mahdi-Kriegen gefangengenommen; die folgenden elf Jahre verbrachte er als Sklave bei Mahdi-Nachfolger Khalifa Abdullahi. Nach seiner Flucht schrieb er, auf Wunsch seiner britischen Fluchthelfer, über die Gefan- genschaft den propagandageeigneten Bestseller „Feuer und Schwert im Sudan“.
Birgit Schwaner benutzt und „poetisiert“ Momente aus der Biografie des historischen Slatin, um damit zu improvisieren – keine Erzählung im klassisch-linearen Sinn, eher ein Wirbel aus Ereignissen, disperaten Ein- fällen, Motiv-Verästelungen wie Gedankensprüngen – initiiert von der Lust an Assonanzen und Assoziatio- nen, Wortklang und -rhythmus, am ironischen Spiel mit und am Brechen von Klischees – etwa solcher aus dem Repertoire der kolonialistischen Abenteuererzäh- lung. So wird dem siebzehnjährigen Noch-nicht-Hel- den eine Lady P. zugesellt, die es in die Wüste zieht, und dieser ein Mops, der im Meer versinkt. Ein Auto- rinnen-Ich meldet sich ständig zu Wort; ein schwarzer Missionar ist sporadisch zur Stelle und der Protagonist schon sehr bald gespalten bzw. vervierfacht: Treffen Sie Kratin, Platin und Schlatin, die als parodistischer Chor in der Gegend herumlungern und auf der Fähre nach Alexandria das Ende ihrer Namen verlieren; denn als Slatin beinah ertrinkt, gerät das Anhängsel „in“ ins „Außersicht“ und geht verloren im Meer – oder in der Sprache, die als „veritable Meeresmaschine“ auch abrupte Wendungen generiert; so, wie sonst Illusio- nen – etwa der, dass „Ich“ eine Einheit sei und Biogra- fie nicht vor allem Erzählung. Fragment, Palimpsest. Improvisation.
Rudolf Slatin alias Slatin Pascha, 1857 geboren, war ein altösterreichischer Abenteurer böhmisch-jüdischer Herkunft, bereits mit 24 Jahren britischer Gouverneur der sudanesischen Provinz Darfur; bald danach in den Mahdi-Kriegen gefangengenommen; die folgenden elf Jahre verbrachte er als Sklave bei Mahdi-Nachfolger Khalifa Abdullahi. Nach seiner Flucht schrieb er, auf Wunsch seiner britischen Fluchthelfer, über die Gefan- genschaft den propagandageeigneten Bestseller „Feuer und Schwert im Sudan“.
Birgit Schwaner benutzt und „poetisiert“ Momente aus der Biografie des historischen Slatin, um damit zu improvisieren – keine Erzählung im klassisch-linearen Sinn, eher ein Wirbel aus Ereignissen, disperaten Ein- fällen, Motiv-Verästelungen wie Gedankensprüngen – initiiert von der Lust an Assonanzen und Assoziatio- nen, Wortklang und -rhythmus, am ironischen Spiel mit und am Brechen von Klischees – etwa solcher aus dem Repertoire der kolonialistischen Abenteuererzäh- lung. So wird dem siebzehnjährigen Noch-nicht-Hel- den eine Lady P. zugesellt, die es in die Wüste zieht, und dieser ein Mops, der im Meer versinkt. Ein Auto- rinnen-Ich meldet sich ständig zu Wort; ein schwarzer Missionar ist sporadisch zur Stelle und der Protagonist schon sehr bald gespalten bzw. vervierfacht: Treffen Sie Kratin, Platin und Schlatin, die als parodistischer Chor in der Gegend herumlungern und auf der Fähre nach Alexandria das Ende ihrer Namen verlieren; denn als Slatin beinah ertrinkt, gerät das Anhängsel „in“ ins „Außersicht“ und geht verloren im Meer – oder in der Sprache, die als „veritable Meeresmaschine“ auch abrupte Wendungen generiert; so, wie sonst Illusio- nen – etwa der, dass „Ich“ eine Einheit sei und Biogra- fie nicht vor allem Erzählung. Fragment, Palimpsest. Improvisation.
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