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Günther Kaip, Im Fluss
 

Günther Kaip

Im Fluss

Miniaturen

128 Seiten. 12,5x19. brosch.
Euro 15,90
September 2008
ISBN 978-3-902665-03-4

 

 

 

 

 

 

Leicht kommt man in den Verdacht, als Schwärmer nach den elenden Verstecken der Worte zu suchen. Das ist auch ein Vorteil meiner Lage. Das Verdächtige bleibt verdächtig und schließlich unauffindbar. Deshalb ist mir auch der Ort, an dem ich mich seit zwei Wochen befinde, lieb geworden (...)

„Kürzestprosa" steht in der österreichischen Gegenwartsliteratur in einer guten Tradition: Achleitner, Bernhard, Canetti, Doderer... Unverständlich, warum Schulkinder mit Schmökern wie „Blendung" oder „Strudlhofstiege" malträtiert werden, wenn besagte Meister zugleich als Verfasser feinster Kurzgeschichten und Miniaturen zeichneten! Kurze Prosa fordert eine andere Dynamik, zielt wesentlich auf Verdichtung, Komprimierung, Pointierung. Bietet dem Leser dafür Lektüre zwischen den Zeilen, Weiterspinnen des Nichtgesagten ...

Günther Kaip darf als ein Experte fürs Kleinräumige in der Prosa hervorgehoben werden, im vorliegenden Fall sind es Fieberphantasien einer surreal-poetischen Reise: Das Motiv des Spaziergängers zieht sich durch den Zyklus, Reminiszenzen an die Müllersche „Winterreise" (Missglückter Ausflug, Heimkehr, Tränen, Falsche Erinnerung ...)klingen an und werden gebrochen ... Lediglich der Epilog benötigt mehr als eine Seite, rekapituliert einen Bogen zwischen Wachen und Treiben.


Leseprobe

Morgen bereuen wir alles, verraten die Träume. Im Herzen stolpern die Kilometersteine und zerbrechen. Noch einmal putzen und ölen wir die Gewehrläufe. Die Hügel satteln sich mit Grün, stellen Bäume auf, locken die Winde in ihr Geäst. Sie liebkosen sich und legen ihre Vermutungen aus, blinzeln zu uns herüber - aufmunternd - aber es nützt nichts. Im Herzen bilden neue Kilometersteine einen Haufen, so hoch, dass es dem Himmel die Sprache verschlägt. Die Träume applaudieren und starren in die Gewehrläufe. Dann drücken sie ab.


Rezensionen


Kaips Fantasiearbeit an und mit der Sprache hat an Boden und Festigkeit gewonnen, sie hält noch den mutwilligsten Kapriolen stand, ohne ihre Duftigkeit zu verlieren.   (Evelyne Polt-Heinzl, Literatur und Kritik)

Die Texte sind allesamt im Fluss, schwimmen aufeinander zu, stoßen sich ab und nehmen plötzlich den Leser in ihre Mitte. Als Epilog getarnt kommt ein Ich noch ins volle Schwärmen. Auf die Frage, was jemand gemacht habe, zählt dieser alles auf, und es entsteht beinahe schon wieder ein Buch. Günther Kaip erzählt verrückt, verschränkt, gelöst und klar, und das alles oft in einem einzigen Satz. Als Leser ist man entführt in ein Reich voller Fantasie, in das man freilich nur bei klarem Kopf eintreten darf.  (Helmuth Schönauer, Der Standard)

 

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